Jul 26

Pilgerfahrt nach Italien 2013

Amendingen, Montag, 8. Juli 2013, 3.30 Uhr, 16 °C: Zu nachtschlafender Zeit machten sich 39 Pilger (Busfahrer inklusive) auf zu einer wunderschönen Reise nach Italien. Um die Mittagszeit hielten wir mit Pater Anton einen ‚Parkplatz-Gottesdienst‘. Wir hatten schon mehrere Regionen wie Südtirol, Venezien und Toskana hinter uns und unser Reiseleiter Raffaele erzählte von den unsichtbaren Grenzen Italiens, seiner Geschichte, der Natur, der Industrie und Politik.  Wir hörten vom Apennin, den Albaner- und Sabiner Bergen und näherten uns langsam unserem ersten Ziel Cassino. Dort ging es bei strömendem Regen gleich hinauf  nach Montecassino. Dieses Kloster wurde 529 n. Chr. von  Benedikt von Nursia an Stelle eines alten Apollotempels gegründet. Hier verfasste er auch die Klosterregeln als Grundlage des Benediktinerordens.

Italien-Mo -Di

Am Dienstag ging unsere Fahrt nach Frühstück und Gruppenfoto weiter nach Neapel. Nach einer Morgenandacht im Bus, erzählte Raffaele die Geschichte Neapels, das von vielen Stämmen und Völkern regiert wurde. Da kamen die Barbaren, die Normannen, die Schwaben, die Aragoneser, die Borbonen und Franzosen …. Er erzählte von den Kontrasten zwischen Nord- und Süditalien und lockerte es immer wieder mit heiteren Geschichten auf. Neapel ist mit ca. 1 Mio Einwohnern die drittgrößte Stadt Italiens und ihre Altstadt UNESCO-Weltkulturerbe. Der Schutzpatron Neapels ist San Gennaro und so besuchten wir natürlich auch den Dom aus dem 13. Jahrhundert., der dem Heiligen gewidmet wurde. Besonders interessant ist die Geschichte des Blutwunders, das immer noch gefeiert wird: jedes Jahr am ersten Maiwochenende und am 19. September kann man im Dom von Neapel bestaunen, wie sich das in einer Ampulle aufbewahrte Blut des im Jahr 305 enthaupteten San Gennaro verflüssigt. Das Blutwunder tritt nach dem Volksglauben auf, wenn kein Unglück für die Zukunft zu erwarten ist. Was unbedingt zu Neapel gehört ist die neapolitanische Pizza. Und so ging es in die Pizzeria Lombardi, in der uns vier verschiedene Pizzen zum Probieren gereicht wurden: Pizza Marinara, Pizza Ortolana, Pizza Margherita und Pizza Quattro Formaggi. Eine leckerer als die andere! Natürlich wurden gleich die Zutaten geordert und notiert. Dazu unterhielt uns ein neapolitanischer Gitarrenspieler.

Am Nachmittag stand noch die Besichtigung der Ausgrabungsstätte Pompeji auf dem Programm. Es war doch größer als erwartet und unserer Führerin Elvira, spitzbübisch auch Frau Allora genannt, hatte uns recht viel zu erzählen. Pompeji war 79 n. Chr. beim ersten Ausbruch des Vesuvs untergegangen und mit die Menschen, ihr Leben,  ihre Hoffnungen. Richtig wieder entdeckt wurde es im 18. Jahrhundert und ist eines der besterhaltenen Stadtruinen. Wir sahen Theater, Sportanlagen, Badehaus, Hauptplatz mit Basilika, öffentliche Brunnen und die Straßenanlagen mit ihren „antiken Zebrastreifen“. Es war schon sehr beeindruckend sich vorzustellen, dass einfach mal so von heut auf morgen eine ganze Stadt verschwindet und wie machtlos der Mensch doch plötzlich ist, wenn Gottes Naturgewalten ihre Zerstörungskraft zeigen.

Der Mittwoch begann mit Schwimmen im Pool, mit der Entdeckung eines wirklich interessanten Toasters und mit der Fahrt zum ‚Heiligtum Unserer Lieben Frau Vom Rosenkranz‘ in Pompeji. Diese Basilika wurde 1878 – 1891 zu Ehren der Rosenkranzkönigin erbaut und zeigt ein Gnadenbild der Muttergottes mit dem Kind, auf dem sie dem Dominikus und der Katharina einen Rosenkranz überreicht. Der Gedenktag der Rosenkranzkönigin ist der 7. Oktober. Wir feierten hier noch die Hl. Messe in einer kleinen Kapelle des Heiligtums, bevor es dann weiter auf den Vesuv ging.Italien-Mittwoch Der Vesuv ist ein immer noch aktiver Vulkan und ständig unter Beobachtung. Sein erster Ausbruch war 79 n. Chr. und der letzte 1944. Auf der Fahrt hinauf entdeckte unser Busfahrer Peter die Wichtigkeit seiner ‚Bus-Hupe‘, zu der ihn Raffaele immer wieder animierte. Überhaupt das Wichtigste, wenn man in Italien auf engen Straßen unterwegs ist. Auf halber Strecke gab es noch eine ordentliche Brotzeit, bevor wir dann bei etwa 1000m aus dem Bus stiegen. Den Rest musste man zu Fuß zurücklegen und da ging es noch auf 1281 m hoch. Der Weg war stramm, sandig, steinig und ohne Schatten und wurde für manchen schon zur Herausforderung. Eine Herausforderung, mit der jeder auf seine Weise zu arbeiten oder zu kämpfen hatte. Jeder fand seinen eigenen Rhythmus und wurde immer wieder mit einem fantastischen Ausblick belohnt. Tolle Gesteinsformationen, herrliche Landschaft, rauchender Stein und ein wunderschönes Echo. Und so manchen faszinierte auch der schwarze Käfer, der unseren Weg kreuzte.

Am Abend war noch eine Silberhochzeit auf der Hotelterrasse und in Italien isst man auch nachts um 23 Uhr noch reichlich. Typisch deutscher Spruch von uns: ‚So spät isst man doch nicht!‘ Und als uns kurz drauf noch tellerweise übrige Pizza gereicht wurde, stellte man fest: ‚So spät kann auch der Deutsche essen!‘

Am Donnerstag ging die Costiera Amalfitana entlang und weil es hier doch sehr eng zuging fuhren wir mit einem einheimischen Charterbus. Und so ging es von Vico Equense nach Sorrento über Positano, Praiano bis nach Amalfi und Raffaele schwärmte in seinen Erzählungen so richtig für sein Italien.

Italien-Donnerstag

Es war aber auch eine beeindruckende Landschaft mit vielen schönen Ecken und Buchten, die Raffaele einmal mit dem schönen Ausdruck ‚Falte in der Landschaft‘ bedachte. In Amalfi besichtigten wir noch den Dom Sant’Andrea mit der Basilika des Kruzifix und den Paradieskreuzgang (Anfang 13. Jhd.  erbaut) und die auch eine arabische Stilrichtung erkennen lässt. Mit einem Boot mit dem wohlklingenden Namen ‚Raffaele‘ ging es von Amalfi in eine kleine Badebucht, um das kühle Nass zu genießen.

Am Abend ging es nach Sorrento, wo wir in einem Zitronengarten zu Abend essen wollten. Es war eine malerisch gelegene Landwirtschaft, die wir da besuchten und wo wir einen kleinen Einblick in diese Arbeit bekamen. Es gab Vieh, Trauben, Oliven, Zitronen, Tomaten, viel Kräuter. .. Es wurden eigene Produkte aus dem Anbau hergestellt und verkauft und wir sahen natürlich auch wie hier der Büffelmozarella gemacht wird.

Italien-FreitagAm Freitag ging es nochmal mit einem Charterbus los. Unser italienischer Busfahrer Rossario brachte uns nach Seiano, von wo wir mit dem Boot nach Capri starteten. Wir umrundeten ungefähr die halbe Insel mit ihren Felswänden und vielen kleinen Buchten. So näherten wir uns dem Hafen Marina Piccola, vor dem erst einmal die vier bekannten Klippen (Faraglioni) aus dem Wasserragten. Wir spazierten durch malerische, gepflegte Gässchen und Ecken und genossen die Blütenbracht, die sich uns bot. Es gab Lädchen an Lädchen und wir entdeckten neben den Luxusläden doch auch den ein oder anderen für den kleineren Geldbeutel des ganz normalen Standard-Touristen. Beim Blick hinunter in den Hafen, sah man Yacht an Yacht liegen und in der Kirche San Stefano – ehemals Kathedrale und jetzt Pfarrkirche –  hielten wir noch eine kurze Andacht weitab des Menschentrubels draußen. Ein Stück weiter hinauf ging es dann nach Anacapri.

Weiter ging es um die Insel, um dann an der blauen Grotte leider festzustellen, dass der Seegang doch zu stark war, um von unserm Boot in diese kleinen Drei-Mann-Käne umzusteigen. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie viele von uns da unfreiwillig baden gegangen wären. Und so verabschiedeten wir uns von Capri und so mancher von uns döste im gleichmäßigen Schaukeln des Bootes so vor sich hin. Abends nahmen wir noch an der Abendmesse in Vico Equense teil.

Samstags ging es weiter nach Assisi. Assisi ist der Geburtsort des Hl. Franziskus (*1181/82) und der Hl. Klara (*1193/94). In der Kirche Santa Chiara befindet sich das Grab der Hl. Klara und in einer seitlichen Kreuzkapelle das Kreuz aus San Damiano, von dem herab Christus zu Franz v. Assisi gesprochen haben soll. In der Basilika San Francesco zeigen vor allem Fresken die Geschichte des Franziskus und seine Beziehung zu Jesus. Italien-Samstag1Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, sowie dem Leben des Franz von Assisi bilden eine wunderbare thematische Einheit. Bruder Thomas, ein deutscher Franziskaner aus dem Bistum Speyer, führte uns durch die Basilika, hatte allerhand zu erzählen und konnte uns Franziskus‘ Leben eindrucksvoll näher bringen. Beim Abendbummel kamen wir auch zum Dom San Rufino, wo wir in einem Seitenraum eine fantastische und äußerst beeindruckende Bildergalerie von Papst Johannes II entdeckten. Wir spazierten weiter zur nächtlich erleuchteten Basilika und genossen das Wetterleuchten über San Francesco und kommentierten es mit dem ein oder anderen Ah und Oh.

Der Sonntag war schon der letzte Tag unserer Pilgerreise. Nach dem Frühstück feierten wir mit Pater Anton in einer kleinen Kapelle in San Francesco Heilige Messe. Wir besuchten noch die Portiuncula Kirche etwa 3km unterhalb von Assisi. Es war die kleine Kapellen-Ruine, die Franziskus wieder hergestellt hat, nachdem Jesus vom Kreuz gesprochen hatte: „Siehst du nicht, dass mein Haus verfällt? … Stelle es wieder her!“  In dieser Kapelle verstarb Franz von Assisi am 3. Okt. 1226. Auf Geheiß von Papst Pius V wurde ab 1569 über diese Kapelle die heutige Basilika errichtet.

Abschied – ob wir wollten oder nicht. Raffaele hat uns die ganze Woche begleitet; hat uns mit einer Begeisterung von seinem Land erzählt, uns die Liebe für sein Land spüren lassen, Anekdoten über die typischen Lebensweisen der Gegend vorgelesen und uns natürlich immer wieder auf die besten Tomaten der Welt hingewiesen. Pater Anton hat diese Fahrt erst möglich gemacht und uns geistlich mit den Messen, Andachten, Gedanken und Gebeten begleitet. Er hat uns immer wieder mit seinen Witzen erfreut und war immer auf unser Wohlergehen bedacht. Busfahrer Peter hat uns sicher und manches mal spannend durch diese Woche gefahren. Auch er brauchte immer wieder starke Nerven, um gefahrenlos durch manche Engstelle zu kommen.

DANKE Raffaele! – DANKE Anton! – DANKE Peter!

(Moni Glombitza)