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St. Stanislaus

Im Jahre 1781 fassten die Einwohner von Trunkelsberg den Beschluss, anstelle einer kleinen Andachtsstation eine Kapelle zu errichten. Vermutlich waren sie es müde, für die sonntägliche Messe, an Feiertagen und zu allen wichtigen kirchlichen Ereignissen die Pfarrkirche in Amendingen aufzusuchen. Nachdem die Trunkelsberger die Genehmigung ihrer Herrschaft für einen Neubau eingeholt hatten und der Dekan Franz Josef Frieß am 14. November 1781 beim Ordinariat in Augsburg um Erlaubnis gebeten hatte, erhielt die Gemeinde die Auflage, dass erst der Amendinger Ortspfarrer Joseph Schedel ein Gutachten einreichen solle. Pfarrer Schedel verstand sich  mit den Trunkelsbergern nicht aufs Beste, weil diese seiner Ansicht nach weder die alte, kleine Kapelle gepflegt hätten, noch ihrer Verpflichtung nachgekommen seien, den Gottesdienst in der Pfarrkiche regelmäßig zu besuchen. Dennoch erteile das Ordinariat am 10. Dezember 1781 die Erlaubnis zum Bau einer Kapelle, die mit vereinten Kräften durch Spenden der Bevölkerung, des Ortsherrn Tobias von Heuß, des Dorfes Amendingen und der Reichskartause Buxheim gebaut werden konnte. Bereits im darauffolgenden Jahr, 1782, wurde die Kapelle errichtet und unter den Schutz des polnischen Prinzen Stanislaus Kostka gestellt. 1871/1873 fanden Renovierungen der Kapelle statt. Reparaturen am Turm, Einsetzen eines eisernen Glockenstuhls, Übermalung des durch Wasserschaden in Mitleidenschaft gezogenen Deckenfreskos, 1922 Renovierung der Kapelle, Übertünchen des Deckenfreskos, 1936 Freilegung und Neugestaltung des Freskos, das dann 1959 vollständig abgeschlagen wurde.Da der Bau im Laufe der Zeit viel zu klein geworden war, entschloss man sich auf Anregung des Pfarrers Josef Magel, die Kapelle zu erweitern: Durch Öffnung der Westwand konnte der zuerst ovale Grundriss der  Kirche um einen halbkreisförmigen Raum erweitert werden. Die bauleitung lag in den Händen des damaligen Regierungsbaumeisters Hornung aus Ottobeuren. Am zweiten Adventsonntag 1959  wurde die Filialkirche von Bischof Dr. Joseph Freundorfer eingeweiht. In der Mitte des Ortes gelegen, nimmt die architektonisch außergewöhnliche Kapelle die formale Idee eines Zentralbaus im Kleinen auf: 1782 kam es zur Errichtung eines Sakralraumes über längsovalem Grundriss mit ehem. drei Fensterachsen, die abwechselnd mit Lisenen die Außenwand glieden. An diesen Kernbau setzt die moderne, halbrunde Erweiterung nach Westen mit einem ausgeschiedenen Eingangsbereich an. Darauf sitzt das steile Kegeldach mit dem Dachreiter und der Zwiebelhaube. Im Inneren verweist das in seiner Form erhalten gebliebene, flache Spiegelgewölbe auf die früheren Ausmaße der Kirche. Die westliche Fensterachse musste dem Erweiterungsbau weichen, an dessen Westseite eine schön geschwungene Orgelempore weit in den Raum hininragt. Die ursprüngliche Pilastergliederung der spätbarocken Kapelle, die sich mit dem durchlaufenden Gesims verkröpft, ist beibehalten worden; die Wände des Anbaus bleiben dagegen ungegliedert. Hohe Rundbogenfenster erhellen den Raum.

Der Hochaltar, wie er sich heute präsentiert, beinhaltet im Kern Elemente aus dem 18. Jahrhundert, wurde aber 1937 überarbeitet und später mit einem neuen Altargemälde ausgestattet. Seitlich stehen die barocken Figuren der hl. Kaharina von Alexandrien mit ihrem Attribut, dem Rad, und eine weiblich Heilige, bei der es sich um Elisabeth von Thüringen handelt, da sie ein kleines Brot in ihrer Hand hält. Das Altarbild zeigt – für diese Stelle sehr ungewöhnlich – die Darstellung „Herz Jesu“, welches der Deutsch-Römer Sebastian Bacher (1876-1961) 1942 in Rom schuf. Die Visionen der hl. Margareta Maria Alacoque (um1650-1690) trugen entscheidend zur Ausbreitung und Popularisierung der Darstellung bei. Seitlich des Hochaltars finden sich zwei Skulpturen: rechts die gotische Muttergottesfigur (um 1490), die ursprünglich in der ehem. Pfarrkirche in Köngetried stand und unglücklicherweise im 18. Jahrhundert barockisiert worden ist und links die barocke Standfigur des  hl. Stanislaus Kostka. Einer näheren Betrachtung wert ist der Kreuzweg von 1784. Nicht sichtbar, aber weit zu hören, schlägt die alte Kapellenglocke im Dachreiter. Johann Georg Ernst aus Memmingen goss sie 1787.

(aus Kirchenführer St. Ulrich)